Marco, wie ist deine Wettkampf-Saison 2008 verlaufen?
Die Vorjahres-Saison war für mich reich an Zielen; es war ein Jahr, in dem ich neben dem Berglauf auch den Straßenlauf im Visier hatte- mit dem Ziel, meinen ersten Marathon zu absolvieren. Dieses Vorhaben ist mir leider nicht gelungen: Beim Treviso Marathon zwang mich bei km 30 eine Verletzung zur Aufgabe. Andererseits habe ich später in der Saison bei längeren Bergläufen von der umfangreichen Marathon-Vorbereitung profitiert: so etwa beim Sierre-Zinal-Rennen, das ich im August bestritten habe und auch gewinnen konnte.
Kannst du uns von deiner Vorbereitung diesen Winter erzählen? Was sind deine Ziele für dieses Jahr?
Sportlich gesehen habe ich den Winter 2009 ganz anders als die vorhergehenden Jahre angelegt. Während ich üblicherweise im Jänner in die laue Wärme der Algarve nach Portugal „ausgewandert“ bin, um viel Grundlage zu trainieren (etwa 180-210 km je Woche), habe ich mich dieses Jahr dem eiskalten und schneereichen Winter von Bormio, wo ich übrigens geboren bin, gestellt. Hier habe ich nicht außerordentlich viel trainiert, selten zweimal täglich; allerdings habe ich viel Arbeit auf Schnee und bergauf absolviert und bemerkt, dass sich mein „Motor“ für Steigungen verbessert hat. Zweimal die Woche war ich in der Halle, um Krafttraining zu absolvieren; als Vorbereitung auf zwei Treppenläufe (Empire State Building in New York im Febraur, Pirellone in Mailand im März) habe ich Wiederholungsläufe auf den steilen Treppenabschnitten absolviert, die sich neben den Wasserkraftwerken meines Tales befinden.
Mein großes heuriges Ziel ist die Berglauf-WM im September in Italien (Campodolcino); insgesamt werde ich darauf achten, nicht zu viele Rennen zu bestreiten.
Wie schaut eine typische Grundlagen-Trainingswoche von dir aus?
MO 1h locker + Kraft-Training
DI 40' locker + 40' locker
MI 20' aufwärmen + 15km-Tempowechsel auf Straße wie 5x2000 in 6'35" mit 1000 in 3'00"
DO 1h locker im Flachen
FR 50' + Kraft-Training
SA 30' locker im Flachen + Steigung auf Asphalt Bormio-Bormio 2000 (10 km mit 850HM, retour mit Seilbahn)
SO 1h30' hügelig
Du bist bekannt für deine außerordentliche Fähigkeit im Bergab-Laufen. In Deutschland, Österreich, aber auch in Südtirol gibt es wenig Tradition im Auf- und Ab-Laufen. Wie kann man das “Bergab-Laufen trainieren”?
Ein guter Bergab-Läufer darf in erster Linie nicht Opfer von irreführenden Vorurteilen sein. Das heißt: Wenn man glaubt, Bergabstücke seien schädlich oder, dass Bergab-Rennen einen geringeren Stellenwert wie reine Steigungsrennen haben, wird man niemals ein guter Bergab-Läufer werden können. Mir gefallen gemischte Rennen wie auch reine Bergauf-Läufe. Als Jugendlicher hatte ich in den Bergab-Passagen Probleme, mit den Jahren gelang es mir dann, eine eigene Technik zu entwickeln. Eigentlich hat mich nie jemand nach dieser gefragt, denn jeder ist von der Güte des eigenen Bergab-Trainings überzeugt. Auf jeden Fall baue ich in meine Hügel-Läufe, die ich zumindest einmal wöchentlich absolviere, Abschnitte ein, auf denen ich an der Downhill-Technik arbeite.
Derzeit wird sehr viel über den WMRA Grand Prix diskutiert. Wie siehst du den Berglauf auf internationaler Ebene positioniert, was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich war immer ein großer Befürworter des Int. Berglauf Grand Prix, zumindest, solange es ihn wirklich gegeben hat (bis etwa 2001)! Seither habe ich immer versucht, Athleten und Veranstalter dazu zu bringen, den Grand Prix zu erneuern- der WMRA-Spitze habe ich empfohlen, vor allem marketingmäßig etwas zu unternehmen!! Der Berglauf ist eine Disziplin mit noch weitaus unausgeschöpften Möglichkeiten, und bis jetzt hat es noch keiner verstanden, „das Produkt zu verkaufen“. Wenn es schon Experten im Bereich des Marketings gibt, warum zögert man, diesen die Aufgabe zu übergeben, starke Sponsor-Partner zu finden, deren Unterstützung über ein paar Rucksäcke oder Paar Schuhe hinausgeht?
Eine letzte Frage: Es ist mittlerweile einige Jahr her, dass du in Sexten und in Mölten bei den jeweiligen Bergläufen am Start warst. Wirst du demnächst in Südtirol wieder an den Start gehen?
Es gefällt mir, Wettkämpfe in Südtirol zu bestreiten- am Sonntag werde im Rahmen des Ötzi Alpin Marathons an den Start gehen; wenn es mein Wettkampf-Kalender zulässt, würde ich gerne wiederkehren, um in Meran zu laufen.
Danke fürs Interview.
Links:



